02.03.2020
Vollständiges Interview mit dem Plattlinger Anzeiger vom 29.02.2020

Die Finanzkraft der Stadt kommt wegen der vielen laufenden Großinvestitionen an ihre Grenzen. Ist für Sie die Aufnahme von Krediten, also Neuverschuldung, eine Option?

Um Plattling für seine Bürgerinnen und Bürger attraktiv und lebenswert zu gestalten, müssen infrastrukturelle Voraussetzungen geschaffen sein. So sind größere Bauvorhaben wie die Erweiterung der Grundschule, die Sanierung der Mittelschule oder die Erweiterung des Rathauses schwer, und nicht immer aus dem normalen Haushalt heraus finanzierbar. Ähnlich verhält es sich bei der Generalsanierung der Kläranlage. Der Investitionsbetrag von rund 16 Millionen Euro wird ja langfristig über die Gebühren wieder reinkommen, die Stadt bzw. die Stadtwerke müssen hier aber nun mal in Vorleistung gehen. Auch die Ansiedlung der Außenstelle der Fachhochschule (MoMo) muss als Chance für die Entwicklung Plattlings gesehen werden. Die Baukosten werden durch spätere Mieteinnahmen bei diesem Vorhaben langfristig wieder reinkommen und somit verzinst, weshalb gerade hier eine Kreditaufnahme gerechtfertigt ist. Dennoch muss ein vernünftiger Finanzierungsplan aufgestellt werden, um nicht zukünftigen Generationen die Last der Finanzierung aufzuerlegen.

Was ist für Sie der größte Erfolg der Stadtpolitik in den zurückliegenden sechs Jahren, was ist am wenigsten gelungen?

Für mich ist in den letzten Jahren der Glücksfall eingetreten, dass die Stadt das Nordparkgelände von der Deutschen Bahn erwerben konnte und so Wesentliches zur Stadtentwicklung, wie zum Beispiel Betriebsansiedlungen, Freizeiteinrichtungen, der Campus der FH bis zu den Fachschulen umgesetzt wurde. Auch der Erwerb und die Entwicklung weiterer Wohnbaugrundstücke und Neubaugebiete – ob in Pielweichs, am Fürterfeld oder am Frohnauer Weiher wurde vom Stadtrat konsequent und mit Weitblick vorangebracht. Am Biberberg wurden Grundstücke für Betriebsansiedlungen erworben, was auch dringend notwendig war und weiterhin auch ist. Gerade die fehlenden Gewerbeflächen und die somit fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten unserer bestehenden Betriebe bereitet mir Sorge, wenn ich in die Zukunft als Wirtschaftsstandort blicke. Die fehlenden Flächen bedeuten, dass wir so gut wie keine neuen Betriebe ansiedeln können. Die Zuletzt verlorengegangenen rund 300 Arbeitsplätze können wir bei uns dann schlecht kompensieren. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, da müssen wir dringend nachsteuern.

Immer öfter werden Tagesordnungspunkte ohne ersichtlichen Grund in den nichtöffentlichen Teil der Sitzung verschoben. Auch größere Projekte werden ohne öffentliche Diskussion so zur Entscheidungsreife gebracht – Wie wollen Sie dies künftig handhaben?

Im vorletzten Interview hatten Sie mich bereits nach meiner Haltung zur Bürgernähe gefragt: Das ist für mich gerade Bürgernähe. Denn nur wenn ich die Bürger bei Entscheidungen miteinbeziehe, ihre Ideen und Wünsche aufnehme und sie anschließend nach sorgsamer Prüfung durch die Verwaltung umsetzte, komme ich meiner Aufgabe als Bürgermeister nach. Mein oberstes Ziel ist es, das Beste für Plattling zu erreichen und das geht nur gemeinsam mit den Plattlingerinnen und Plattlingern.

Seit Jahren gilt im Rathaus eine Art „Maulkorberlass“ für leitende Mitarbeiter. Presseauskünfte müssen vorab vom Bürgermeister oder Geschäftsleiter erlaubt werden. Behalten Sie diese Regelung bei?

Wichtige Entscheidungen, die auch Außenwirkung haben und Verbindlichkeiten für den Bürger betreffen, sollten mit dem Bürgermeister abgestimmt sein, schließlich muss er sie dann auch in der Öffentlichkeit vertreten können. Unsere Verwaltungsfachleute, denke ich, sind aber ohnehin Profi genug, um selbstständig und auch eigenverantwortlich zu entscheiden was kommuniziert werden darf und was nicht. Auf alle Fälle möchte ich eine kollektive Zusammenarbeit und werde das auch fördern, Teamplay ist mehr sehr wichtig. Die Plattlinger/innen sollen merken, dass die Verwaltung mit ihren Mitarbeitern für die Bürger da ist.