16.09.2019
Das Ufer ist wieder zurückgebaut - Zweiwöchige Baumaßnahme am rechtsseitigen Mühlbach beseitigt alte Schäden

Sprichwörter gibt es genug, die beschreiben, wie sich Karl Ziegler nun fühlt. „Steter Tropfen höhlt den Stein“ oder „Man muss nur dicke Bretter bohren“, damit man schließlich sagen kann: „Ende gut - alles gut“. Seit 2011 versuchten Anlieger des rechtsseitigen Mühlbachs an der Alten Tabertshausener Straße immer wieder, dass sie zurückbekommen, was ihnen der Mühlbach im wahrsten Sinne des Wortes entrissen hatte, nämlich ihre Grundstücksflächen. Nun, nach einem rund zweiwöchigen „Reparatureinsatz“ des Zweckverbandes Gewässer III. Ordnung hat der Plattlinger Kult-Kutscher Karl Ziegler einige hundert Quadratmeter seines schon verlorenen Grundstückes zurückerhalten und das Ufer ist zudem mit Steinen befestigt. Zur Vorgeschichte: Die Gräfliche Verwaltung in Moos betreibt bei Maxmühle ein Kraftwerk. Das Wasser hierfür kommt aus den Isarauslässen bei Plattling, einmal vom Hafnermühlbach unterhalb der Sohlschwelle, einmal weiter flussaufwärts auf etwa halber Höhe zwischen Staustufe und Isarbrücke. Das Recht zur Ausleitung ist uralt, es stammt letztlich noch aus der Zeit, als die Flussmühlen verboten wurden und die Plattlinger Müller sich links und rechts der Isar ansiedelten. Links wurde aus dem damaligen Gesundheitsbach schnell der Mühlbach, der heute noch durch die Stadt fließt und Pankofen-Mühle mit Wasser versorgt. Rechtsseitig sind die Mühlen, die einst für die Flussausleitung sorgten, längst Geschichte. Einzig die Gräfliche Verwaltung in Moos nutzt das Wasser noch zur Stromgewinnung. Und aus Sicht der Stadt Plattling ist es damit auch für den Unterhalt des Mühlbaches zuständig. Zudem regeln die Beschäftigen der Gräflichen Verwaltung auch die Auslassmenge am Wehr. Weil der Isarpegel aber nach der Staustufe deutlich und auch schnell schwanken kann, kommt mal mehr, mal weniger Wasser aus dem Wehr. Ein Zuviel an Wasser macht dem Mooser Kraftwerk zwar nichts, dort wird das Zuviel an Wasser einfach am Kraftwerk vorbeigeleitet. In Plattling und auch bei den unterliegenden Landwirten sorgt es allerdings schon für viel Ärger: Nass Felder und ein sich ausweitender Mühlbach im „Ortsdurchgang“ sorgen immer wieder für Diskussionen. FW-Stadtrat Reinhard Leuschner brachte das Thema immer wieder im Stadtrat aufs Tableau. Mal verliefen die Gespräche zwischen dem Gräflichen Haus, der Stadt und den Anliegern sachlich, mal emotional hochkochend. Mal wartete man auf einen Gutachter, mal fanden Ortstermine statt, mal rührte sich gar nichts mehr. Nachdem die Stadt Plattling nun auf einer Seite des Mühlbachs in der Ziegler-Kurve von einem Anlieger Flächen kaufen konnte und so selbst in diesem Bereich Anlieger ist, kam Bewegung in die Sache. In den zurückliegenden Wochen wurde mit Einsatz schwerer Technik das ursprüngliche Ufer wieder hergestellt und mit Steinen gesichert. Karl Ziegler: „Ich bin zufrieden.“ Einzig schneller hätte es gehen können. Er hofft nun, dass auch der Pegelstand einigermaßen konstant gehalten wird, damit es nicht zu einer neuerlichen Ufererosion kommt. „So wie es jetzt ist, wäre es schon noch in Ordnung.“

Warten auf das Ersatzfließgewässer

Endgültig konstant wird der Pegel des Mühlbachs erst sein, wenn das Ersatzfließgewässer rechts der Isar gebaut ist. Wann dies der Fall sein wird, ist freilich noch unklar. Aktuell warten alle Beteiligten darauf, dass das Landratsamt Deggendorf den Planfeststellungsbeschluss für die beiden beantragten Ersatzfließgewässer links und rechts der Isar erlässt. Ist es aber auf der rechten Seite erst einmal gebaut, dann erfolgt die Ausleitung des Isarwassers nicht mehr über das jetzige Wehr, sondern oberhalb des Altwassers Altenbucher aus dem Isarstau. Der Vorteil daraus: Damit kann das Wasserwirtschaftsamt konstant drei Kubikmeter pro Sekunde ausleiten, egal wie stark der Isarpegel schwankt. Und damit dürfte wohl am Mühlbach endgültig Ruhe einkehren.

(Konrad Kellermann -Plattlinger Anzeiger)