28.06.2019
Ein Blick in die Zukunft

Einen Blick in die Zukunft wagten am Mittwochabend über 60 führende Vertreter von Firmen und etliche Kommunalpolitiker beim Sommerempfang für die Plattlinger Wirtschaft im Bürgerspital. Anlehnend an das entstehende Forschungszentrum für Moderne Mobilität, kurz MoMo, wurde als Referent ein führender Manager von der BMW AG München eingeladen. Alejandro Vukotich ist Bereichsleiter Entwicklung Vollautomatisiertes Fahren und Fahrerassistenz und Chef von annähernd 2.000 Mitarbeitern - einer Denkfabrik bei den Bayerischen Motorenwerken.

ürgermeister Erich Schmid freute sich zum mittlerweile 16. Wirtschaftsempfang, so viele namhafte Firmenvertreter willkommen heißen zu dürfen. Neben seinen beiden Stellvertretern Hans Schmalhofer und Franz Geisberger sind viele Stadträte, die Geistlichkeit mit Stadtpfarrer Dekan Josef K. Geismar und Diakon Slavko Radeljic-Jakic sowie die Resortleiter der Stadtverwaltung gekommen. Aus dem Nachbarlandkreis Dingolfing-Landau war die frühere MdB und Bürgermeisterkandidatin in Wallersdorf, Gudrun Zollner, gekommen. Einziger Bürgermeistervertreter aus den Nachbargemeinden war der stellvertretende Bürgermeister von Stephansposching, Anton Hafner.

Wechselvolles Jahr

Erich Schmid sprach zwischen 2018 und 2019 von einem sehr wechselvollen Jahr mit Höhen und Tiefen. UPM beschloss aus wirtschaftlichen Gründen eine Papierstraße zu schließen, der Automobilzulieferer führte bis Dezember Kurzarbeit ein und die Firma Hatec machte dicht. Dennoch gab es große Investitionen, allein Smurfit Kappa steckte zehn Millionen Euro in den Standort Plattling. Von diesen Investitionen profitiert auch die Stadt Plattling, 2018 waren es 9,5 Millionen Euro und auch 2019 steht unter glücklichen Vorzeichen.

Aber auch die Stadt Plattling ruht sich nicht aus, so Schmid weiter. Es wurde mit meiPlattling.de eine digitale Plattform geschaffen, das Forschungszentrum wird gebaut und ein Magnet für neue Firmenansiedlungen wird geschaffen. Bald werde es eine größere Ansiedlung geben, machte der Bürgermeister neugierig. An Alejandro Vukotich gerichtet, hofft Schmid in Sachen MoMo auf eine gute Zusammenarbeit mit BMW. "Wir bewegen uns in der Zukunft", fügte der Bürgermeister hinzu und leitete zum Referenten des Abends über.

Unter Druck

"Die Automobilindustrie steht massiv unter Druck", begann Alejandro Vukotich seinen Vortrag, den er mit einer Präsentation untermalte. Man dürfe hier nicht den Anschluss an die Konkurrenz verlieren. Nur die Firmen, die in der Lage sind, sich den Anforderungen zu stellen, werden sich behaupten. Vukotich glaubt, dass es BMW mit seinen Partnern gelingt, bis 2021 einen gewaltigen Schritt nach vorne zu machen. Seit 1905 habe sich einiges verändert. Auf einem Bild war zu sehen, dass sich damals in New York fast kein Auto befand. Acht Jahre später ist bereits einiges passiert. Der Markt hat sich schon damals rasant verändert. Eine Blechlawine rollte durch die Straßen.

Neue Technologien

Jahr für Jahr gibt es neue Technologien, das Wettbewerbsumfeld verändert sich. Es entstehen neue Geschäftsmodelle. Im Jahr 2013, so Vukotich, brachte BMW das erste E-Auto heraus. Jetzt gibt es den I3 und I8, die bereits in Serie gegangen sind. Mittlerweile fahren schon über 500.000 davon auf den Straßen. Bis 2025 sind, fügt der BMW-Manager hinzu, weitere 25 Modelle geplant.

Hightech steht bei BMW an erster Stelle. 12.000 Fahrzeuge sind mit einer so genannten Sim-Karte ausgestattet. "Wir wissen genau, wo diese Fahrzeuge sind", erklärt der Manager. Es sei wichtig, die Kunden ganz genau zu kennen, denn nur so könne man handeln, betont Vukotich.

Dass man alleine schlecht forschen kann, habe auch BMW erkannt, und so Kooperationen gebildet. In einer Firma NOW wird eng mit Daimler zusammengearbeitet. Auch gibt es weitere Zusammenschlüsse, so der Chefentwickler.

Warum Autonomes Fahren? Alejandro Vukotich spricht von Sicherheit, Komfort, Flexibilität, mehr Zeit, weniger Emissionen, weniger Unfälle und weniger Verkehr. Um diese Ziele zu erreichen, sei noch ganz viel Denken gefordert. Die Rede ist von connected car, smart car und digital services. Die Zukunft wird das fahrerlose Auto sein, Fahrzeuge mit der dafür nötigen Technologie auszustatten. Es entsteht ein neuer Markt, sagt Vukotich. Man sei auf der Suche nach Lösungen, einen minimalen Preis/Fahrzeug und minimale Kosten/Kilometer.

Hochkomplexe Software

"Autonomes Fahren wird unseren Alltag gewaltig verändern", erklärte der BMW-Manager weiter. Es handle sich um ein Zusatzangebot, man nehme dem Fahrer nichts weg. Autonomes Fahren sei eines der komplexesten Themen. Hierfür nötig sei eine hochkomplexe Software, Backes for Driving. Das Fahrzeug soll erkennen, wo der Bordstein ist, wo welche Verkehrszeichen sind und ob die Straße nass oder trocken ist.

Um dies alles zu erforschen, wurde in Unterschleißheim ein Mediacenter eingerichtet - ein Campus, der neben einer riesigen Denkfabrik eine Werkstatt für 400 Fahrzeuge hat. "Wir müssen sicherstellen, dass wir noch besser sind als der menschliche Fahrer", betont Vukotich. Es werde immer in zwei Wochen-Abschnitten geplant und es sei agiles Arbeiten angesagt.

Weltweite Testphase

BMW testet ihre Fahrzeuge weltweit, steht vor einer Next Generation. 2021 soll dann, so der Plan von Alejandro Vukotich, eine Flotte von 500 Fahrzeugen mit so genannten Highway Piloten fahren, bis zu 130 km/h schnell. Diese Autos werden vorerst nur von BMW betrieben, Etwas weiter in der Zukunft kann vielleicht irgendwann zu einem Auto das Paket "Autonomes Fahren" hinzugekauft werden. Doch hierfür sei noch jede Menge Forschung nötig, schloss Vukotich seinen hochinteressanten und informativen Vortrag.

Musikalisch umrahmt wurde der Wirtschaftsempfang von Steffi Kreilinger und zwei Musikern, den Service übernahmen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Dem Referat von Alejandro Vukotich schloss sich ein kaltes Büfett an.

(Idowa vom 26.06.2019)