27.03.2019
Plattling bekommt künftig Waldwasser

Weiches Wasser, geringer Nitratgehalt, höherer Preis

Die Isarstadt bezieht ihr Trinkwasser ab spätestens Januar 2025 aus dem donauabwärts gelegenen Moos und verabschiedet sich damit von der Eigenversorgung. Die Stadt bekommt einen Vollanschluss zum Werk des Zweckverbandes Wasserversorgung Bayerischer Wald. Diesen Beschluss fasste der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung am späten Montagabend – bei einer Gegenstimme. Die Plattlinger müssen mit steigenden Wasserpreisen rechen, dürfen sich aber zugleich über eine messbar höhere Qualität freuen. Bei einer Pressekonferenz am späten Dienstagnachmittag informierten Stadtwerke-Leiter Stefan Kopp, Bürgermeister Erich Schmid, dessen Stellvertreter, die drei Fraktionsvorsitzenden und Geschäftsleiter Josef Hofmeister darüber.
Insgesamt 16 Varianten diskutierte der Werkausschuss in den vergangenen Jahren, um eine funktionierende Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Eine blieb am Montag übrig: jener Vollanschluss, den die Stadt über lange Zeit hinweg vermeiden wollte. Der Abschied von der Eigenversorgung falle schwer, unterstrichen die Verantwortlichen bei der Pressekonferenz unisono. Doch rechtliche Unwägbarkeiten, Wasserqualität und weitere Gründe sprachen dafür, sich mit dem Zweckverband Wasserversorgung Bayerischer Wald einig zu werden. "Das sind wir", bestätigte Christian Bernreiter, Landrat und Vorsitzender des Zweckverbandes, im Gespräch mit der Plattlinger Zeitung. "Damit herrscht Sicherheit in der Wasserversorgung für Plattling."
Was passiert nun? Während der Zweckverband eine Leitung von Freundorf bis zum bestehenden Wasserwerk in Eisenstorf im Otzinger Gemeindegebiet verlegt, darf Plattling bis Ende 2024 Tertiärwasser fördern, um dieses mit Quartärwasser zu mischen. Dieses Wasser fließt bei den Plattlingern aus den Hähnen. Die Werte dazu lieferte Stadtwerke-Leiter Kopp: ein Nitratgehalt von rund 36 Milligramm pro Liter und eine Härte von 21 Grad deutscher Härte. Die Zahlen des Zweckverbandes zum Vergleich: fünf Milligramm Nitrat pro Liter, Härtegrad 8,4. Die Bürger erhalten in ein paar Jahren deutlich weicheres Wasser.
"Den Preis, den wir bisher anbieten konnten, 1,10 Euro, können wir nicht halten", bestätigte Bürgermeister Schmid. Je nach Ausbaustufe des Goldsteig-Werkes im Industriegebiet werde der Wasserpreis in den Bereich zwischen 1,77 Euro und 2,12 Euro vorstoßen. Die Faustregel: Je höher die Gesamtabnahme, umso günstiger der Preis für die Bürger. "Es wird sich verteuern." Dennoch lägen diese Preise im Normalbereich im Vergleich zum Umland, betonte Schmid, der sogleich Einsparmöglichkeiten bei Reinigungs- und Entkalkungsmittel aufzeigte. Seinen Berechnungen zufolge kommen auf eine vierköpfige Familie Mehrkosten von rund 60 Euro im Jahr zu – dafür erhielten sie aber eben auch ein "wirklich gutes Produkt".
Die Fraktionsvorsitzenden Karl-Heinz Astner (FW), Georg Weiß (SPD) und Markus Schmid (CSU) blickten auf die langwierigen Diskussionen sowie Gerichtsverfahren zurück und kamen zu dem Schluss, dass der Vollanschluss die einzige Möglichkeit sei, um die Trinkwasserversorgung nach Ablauf des Förderbescheids zu sichern – mit allen Konsequenzen. Dazu gehört auch, dass der Wasserturm, ein Wahrzeichen Plattlings, seinen Sinn verliert.
Mit dem Landratsamt wolle die Stadt nun erörtern, wie die bestehenden Brunnen in Eisenstorf künftig genutzt werden sollen, um zum Beispiel in Notfällen Wasser fördern zu können, ließ Bürgermeister Schmid wissen.