Seiteninterne Navigation

Freie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband Bayern

Navigation

 

Aktuelles

Seiteninhalt

Stadtrat gibt einstimmig grünes Licht für Forschungszentrum der TH Deggendorf im Nordpark

Nach zwei Stunden voller Vorträge und Diskussionen bittet SPD-Fraktionsvorsitzender Georg Weiß um eine kurze Unterbrechung der Stadtratssitzung. Seine Fraktion müsse sich beraten. Fünf Minuten ziehen sich Weiß und seine SPD-Kollegen zurück, die Spannung im Sitzungssaal des Rathauses ist derweil förmlich zu greifen. Dann die Abstimmung und erleichtertes, bei einigen Stadträten sogar euphorisches Klatschen. Einstimmig. Das Forschungszentrum für moderne Mobilität (MoMo) in Plattling ist endgültig auf den Weg gebracht. Es ist ein Millionenprojekt, das die Stadt da zusammen mit der Technischen Hochschule Deggendorf in Angriff nimmt und das, so die Einschätzung vieler Stadträte, Plattling zukunftsfähig machen soll und wird.
Im März dieses Jahres beschloss der Stadtrat bereits, die von der TH Deggendorf beabsichtigte Errichtung des Forschungszentrums in Plattling grundsätzlich zu unterstützen und einen entsprechenden Antrag beim Bayerischen Wissenschaftsministerium einzureichen. Der Entwurf für diesen Antrag wurde zwischenzeitlich gemeinsam mit der Technischen Hochschule erarbeitet.


Kosten für die Stadt bei bis zu acht Millionen Euro

In der Plenumssitzung am Montagabend sollten die Räte nun von der Stadt Plattling grünes Licht für das Großprojekt rund um die alten Klinkergebäude im Nordpark geben. Sie taten es einstimmig. Nun wird der Antrag beim Wissenschaftsministerium eingereicht, damit die Pläne im nächsten Doppelhaushalt des Freistaats Platz finden können. Eine Entscheidung aus München ist dann wohl im November zu erwarten. Bürgermeister Erich Schmid rechnet fest mit einem Erfolg: "Unser Antrag ist sehr positiv gesehen worden."
Dass dies keine "normale" Stadtratssitzung sein würde, das war allen an diesem langen Abend klar. Schließlich ging es hier um eine "historische Entscheidung für die Stadt Plattling", wie FW-Fraktionsvorsitzender Karl-Heinz Astner gar meinte. Und es ging um viel Geld. Nach überschlägigen Kostenschätzungen muss die Stadt wohl erstmal bis zu acht Millionen Euro in die Hand nehmen. Mit dem Geld soll das denkmalgeschützte Backsteingebäude Nr. 17 zu einem Bürogebäude umgebaut werden. Außerdem soll ein wohl gläserner Verbindungsbau zwischen den Backsteingebäuden entstehen, der gleichzeitig als Foyer für weitere, westlich anschließende Baulichkeiten dienen und Toiletten und Aufzug beinhalten könnte. Und schließlich soll ein Laborgebäude mit einer Nutzfläche von rund 1000 Quadratmetern errichtet werden.
Bevor eine intensive Diskussion über das Forschungszentrum entbrannte, machten TH-Präsident Prof. Dr. Peter Sperber und Prof. Dr.-Ing. Jochen Hiller, Leiter des Fraunhofer Anwendungszentrums CT, den Stadträten das MoMo in ihren Vorträgen noch einmal so richtig schmackhaft.
"Plattling kann ein Leuchtturmprojekt werden", sagte Prof. Sperber. "So etwas gab es bis jetzt noch nicht in Deutschland." Besonders mit der robotergestützten Computertomographie, mit der komplette Fahrzeuge in Echtzeit vermessen werden können, habe man ein absolutes Alleinstellungsmerkmal deutschlandweit und bereits jetzt eine hohe Aufmerksamkeit bei den bayerischen Automobilherstellern BMW und Audi erzeugt.
Die "Mobilität der Zukunft" sei ein Thema, bei dem Deutschland aufholen müsste, so Sperber. Dementsprechend würden im Bund sehr viele Mittel bereitgestellt, Forschungsgelder die man nach Plattling holen könne. "Der Bedarf ist riesig."
"Warum tun wir das?", das war dann auch die grundsätzliche Frage, die Bürgermeister Erich Schmid noch einmal mit den Stadträten erörtern wollte. "Wir brauchen qualifizierte Arbeitsplätze in der Region für unsere Jungen", sagte Schmid. Die Hoffnung: Kleine Firmen und Start-Ups siedeln sich im Umfeld des Forschungszentrums an, befruchten sich gegenseitig. "Das ist eine Zukunft, bei der wir dabei sein wollen", so Schmid.

Ein Blick nach Teisnach, wo die TH Deggendorf einen Technologiecampus errichtet hat, zeige, was hier für eine Erfolgsgeschichte geschrieben werden könne. "Teisnach hat inzwischen 18 Millionen Euro investiert", so Schmid. "Aber Bürgermeisterin Rita Röhrl hat mir gesagt, dass sie es immer wieder machen würde." Unzählige Arbeitsplätze seien dank des Technologiecampus in Teisnach bereits entstanden.


"Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit"

Natürlich sei dieser Weg nicht kostenlos zu haben. Während die Laborausstattung durch die Anschubfinanzierung des Freistaates abgedeckt sei, ist die Stadt der Investor der Immobilie und für die Unterhaltung zuständig. Die ersten fünf Jahre muss Plattling die Gebäude außerdem mietfrei zur Verfügung stellen. Erst wenn das Forschungszentrum nach dieser Zeit eine Evaluation übersteht . (...)
Von Seiten der SPD und den Freien Wählern wurde bedauert, dass mit dem Forschungszentrum kein studentisches Leben nach Plattling einziehen wird. Trotzdem würde die FW die "kleine Variante" begrüßen, betonte Karl-Heinz Astner. Wie Georg Weiß und Herbert Petrilak-Weissfeld (SPD) kritisierte er aber, dass sich der Freistaat bei der Finanzierung einen "schlanken Fuß" mache, während das "kleine Plattling" finanziell stark gefordert werde. "Über die Hälfte unserer Rücklagen müssen wir investieren", gab Weiß zu bedenken. "Die Frage ist, warum solche Summen zum Beispiel beim sozialen Wohnungsbau dann nicht möglich sind."
Nach der fünfminütigen Unterbrechung war schließlich aber klar – auch die SPD stimmt einstimmig für das Forschungszentrum. (PNP vom 11.10.2017)