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Noch ein ganzes Stück Weg bis zur Fahrradstadt

Ratequiz: Wer hat hier eigentlich Vorfahrt? Antwort: die Radfahrer. Polizeihauptkommissar Klaus Stiglbauer erklärt das so: Wer aus einem verkehrsberuhigten Bereich ausfährt, muss die Vorfahrt der querenden Verkehrsteilnehmer achten, egal aus welcher Richtung sie kommen.

Ingrid Liebl ist zufrieden. Vor einem Einkaufsmarkt schlichtet sie Päckchen und Tüten in ihren Fahrradkorb. Für sie ist das Fahrrad das ideale Verkehrsmittel in Plattling : "Alles ist flach, alles ist in der Nähe, die Geschäfte, das Freibad." Aufgewachsen ist sie in Zwiesel, da sei es viel anstrengender mit dem Fahrrad zu fahren. Als Radlerin müsse sie sich keine Sorgen um einen Parkplatz machen oder darum, dass es teuer wird, wenn sie die Parkscheibe einmal vergisst.
So wie Ingrid Liebl genießen viele Radfahrer die frische Luft, die Bewegung, das gute Gefühl, etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Auf dem Fahrrad sieht man mehr und vor allem: Man steht nicht im Stau. Die Plattlinger Radfahrer machen sich die Stadt so, dass es für sie passt. Da fahren sie auch mal verkehrt in einer Einbahnstraße, auf einem Radweg auf der linken Straßenseite oder mit den Autos auf der Straße, neben dem Radweg.
"Man kann nicht überall mit Hurra reinfahren"Polizeihauptkommissar Klaus Stiglbauer sieht das kritisch. Es sei schließlich verboten. "Man kann nicht überall mit Hurra reinfahren", findet er. Aus Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer und wegen der eigenen Sicherheit. An vier Fünfteln aller Unfälle mit Radfahrern seien Geisterfahrer beteiligt – Radfahrer, die auf der linken Straßenseite auf einem Geh- und Radweg fahren.
Manchmal, wenn es nur auf einer Straßenseite einen Weg gibt, sei das erlaubt. Autofahrer, die aus einer Seitenstraße oder einer Einfahrt abbiegen, schauen nach links, ob ein Auto kommt, und nicht nach rechts, ob da ein Radfahrer kommt. Wenn die Einmündungen unübersichtlich sind, könnten sie Radfahrer gar nicht rechtzeitig sehen.
In Plattling gibt es immer einen sicheren und legalen Weg, um mit dem Fahrrad von A nach B zu gelangen. Stiglbauer findet, Radfahrern sei es zuzumuten, einen Umweg zu fahren, um zu einer Ampel zu gelangen oder einer Überquerungshilfe über eine stark befahrene Straße. Es sei ihnen auch zuzumuten, auf einem kombinierten Geh-und Radweg an einer roten Fußgängerampel zu warten, auch wenn die Autos in der gleichen Richtung noch fahren dürften. Oder an einer T-Einmündung das Fahrrad zu schieben, um dann wie ein Fußgänger Vorrang vor einem ab- oder einbiegenden Auto zu haben.
Bürgermeister Erich Schmid ist vor allem stolz darauf, dass Plattling für Radfahrer so gut an die Nachbarorte angebunden sei: Nach Moos und Otzing führen Fahrradwege, wer über Pankofen und Mainkofen nach Deggendorf fahren will, kann das seit kurzem auf einem Fahrradweg tun. Richtung Stephansposching und Straubing wird es bald auch einen geben.
Aber nichts sei so gut, dass es nicht besser werden könne. Schmid schwebt ein Konzept mit farbig markierten Radstreifen an den Straßen vor.
Vorerst gibt es einige wenige gestrichelte Schutzstreifen für Radfahrer in der Bahnhofstraße und in der Landauer Straße. Die laufen aber aus, sobald die Straßen eine Abbiegespur für die Autofahrer benötigen. Auf den Schutzstreifen passieren viel weniger Unfälle als auf den kombinierten Geh- und Radwegen, berichtet Klaus Stiglbauer: "Da nehmen die Autofahrer die Radfahrer als Gefahr wahr, da passen sie besser auf." Da gebe es kaum Geisterfahrer. An Einmündungen würden die Radfahrer im Blickfeld der Autofahrer bleiben. Bei einem Geh- und Radweg tauchten sie dagegen – für manche Autofahrer überraschend – an den einige Meter in die Seitenstraße verlegten Überquerungszonen wieder auf.
Besonders unübersichtlich ist die Situation dort, wo die Josef-Froschauer-Straße zwischen den beiden Unterführungen von der Straubinger Straße abzweigt. Dort versperrt eine Betonmauer die Sicht. Die Radler müssen anhalten und vorsichtig schauen, ob ein Auto kommt. Das muss sie vorbei lassen, weil sie nun Fußgänger sind.
"1984, als die beiden Unterführungen neu geplant wurden, hat man noch nicht an Radfahrer gedacht", erinnert sich Kurt Stümpfl, Leiter des Straßenbauamtes in Deggendorf. Die Betonwanne im Grundwasser sollte nicht noch breiter und teurer werden. Deswegen müssten sich die Radfahrer mit den Fußgängern den Fußweg teilen.
Auch in der Straubinger Straße und der Passauer Straße wird es so bald keine getrennten Geh- und Radwege geben. Das Straßenbauamt finanziere innerhalb geschlossener Ortschaften nur kombinierte Geh-und Radwege entlang von Bundesstraßen, erklärt Stümpfl. Wer daran nachträglich etwas verändere, müsse eventuell die Förderung zurück zahlen. So bleibt den Radfahrern nichts anderes übrig, als auf dem Kombiweg so weit links wie möglich zu fahren, um Autos, die aus unübersichtlichen Einfahrten abbiegen, rechtzeitig zu sehen und gesehen zu werden.
Schmid setzt auf Umbau der StadtplatzkreuzungKarl-Heinz Astner, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, ist eigentlich ganz zufrieden mit den Radwegen. Ziel der freien Wähler sei es gewesen, vom Wasserturm oder von Pankofen aus mit dem Rad zum Friedhof fahren zu können. Selber mag Astner zur Zeit nicht mit dem Fahrrad in die Stadt fahren. Da sei ihm einfach zu viel Verkehr. Er hofft, dass es in der Stadt ruhiger wird, wenn die Umgehungsstraße fertig ist. Dann soll auch der Stadtplatz umgebaut werden und die Radfahrer mehr Platz bekommen. Bis jetzt habe man mehr darauf geachtet, dass es genügend Parkplätze für die Autos gebe, bedauert er. Um die Stadt radfreundlicher zu gestalten, könne man sich an den Empfehlungen des Arbeitskreises "Fahrradfreundliche Kommune" orientieren: Der empfiehlt unter anderem durchgehende Fahrradwege, überdachte Fahrradständer, radfreundliche Ampelschaltung.
Auch Bürgermeister Erich Schmid setzt auf den Umbau der Stadtplatzkreuzung. "Wenn wir dort einen Kreisverkehr bauen, dann bräuchten wir keine Abbiegespuren mehr und könnten Radstreifen markieren." Bis dahin müssten die Radler auch akzeptieren, dass sie in den Parkstreifen zu beiden Seiten des Stadtplatzes nur in einer Richtung fahren dürfen. Die Einbahnstraßen für Radler in beide Richtungen zu öffnen, könne er nicht verantworten. Weil dort Autos rückwärts ausparken, sei es für Fußgänger und Radfahrer, die in die richtige Richtung fahren, schon gefährlich genug.
Unter dem Strich bekommen die Autofahrer von den Fahrradfahrern viel Lob: Die meisten seien aufmerksam und rücksichtsvoll. Den Schüler Sebastian stört es, dass die Autos an der Ampel gleich losbrausen und abbiegen, wenn sie Grün bekommen: Als Radfahrer oder Fußgänger sei ihm das nicht geheuer. (PNP vom 27.06.2017)