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Lärmschutz für 9,3 Millionen Euro

In schwülen Sommernächten bei offenem Fenster schlafen, ist für Familie Kopecky nicht möglich. Güterwaggons, die nachts über die Gleise rollen, verursachen einen Lärm, der den erholsamen Schlaf beträchtlich stört. Eine schwierige Situation, insbesondere mit einer Schulanfängerin im Haus. Lädt das Ehepaar Prasser nachmittags zu Kaffee und Kuchen auf der Terrasse ein, wissen die Gäste Bescheid, was zu tun ist, wenn ein Zug vorbeifährt: innehalten und abwarten. Denn ein Gespräch in normaler Lautstärke zu führen, ist nahezu ausgeschlossen, wenn der Donau-Isar-Express aus Passau in den Plattlinger Bahnhof einfährt. Doch damit soll spätestens Ende 2020 Schluss sein. Die Deutsche Bahn baut vier Schallschutzwände. Gestern erfolgte der symbolische Spatenstich für das langersehnte Projekt.
Vier Wände entlang der BahnstreckenEine Gesamtlänge von genau 3737 Metern messen die vier Wände, die im Stadtbereich entlang der Bahnstrecken in Richtung Bayerisch Eisenstein und Passau gebaut werden. Rund drei Meter werden die grünen Wände aus Aluminium über Schienenoberkante in die Höhe ragen, um Lärm- und teilweise auch Sichtschutz zu bieten. 9,3 Millionen Euro sieht die Deutsche Bahn für diese Investition vor. Zahlenmäßig ausgeklammert ist der Abschnitt entlang der Rennbahn, den die Stadt in Eigenregie mit baugleichen Elementen versehen wird. Bereits in diesen Tagen beginnen die ersten Arbeiten an der Waldbahn-Strecke.
Für etwa 120 Wohneinheiten werde außerdem der Anspruch auf passiven Schallschutz geprüft. Zum Einsatz könnten schalldämmende Fenster und Lüfter kommen. Hierfür stellt der Bund 43000 Euro zur Verfügung.
Franz Poschenrieder, Lärmsanierungs-Projektleiter der DB Netz AG, sagte: "Die Schallschutzmaßnahmen entlasten zahlreiche Wohneinheiten entlang der Eisenbahnstrecke erheblich von Lärmeinwirkungen." Weiterhin betonten er und Bürgermeister Erich Schmid die gute Zusammenarbeit zwischen Kommune, Bahn und Eisenbahnbundesamt in Nürnberg. Poschenrieder skizzierte die Entwicklungen des industriellen Aufschwungs vor rund 160 Jahren bis hin zur heutigen Wohnsituation. Die Besiedlungsdichte nahm stetig zu. In den 1960er Jahren erkannte man, dass eine verkehrsgünstige Anbindung auch einen Nachteil bedeutet: Lärm.
Seit 1999 wird die Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen von der Bundesregierung gefördert. Nun kommt auch Plattling in den Genuss. "Ich weiß noch, als wir 2007 den ersten Infoabend im Aldersbacher Hof dazu hielten", sagte Bürgermeister Schmid zu Poschenrieder.
Betroffene forderten schnelle UmsetzungKritik vonseiten der Bürger habe es nie gegeben. Eher forderten diese eine schnellere Umsetzung. 2010 begann das Planfeststellungsverfahren für das Vorhaben, nun wird gebaut.
Schmid erinnerte: "1875 fuhr die erste Lokomotive durch Plattling. Damals waren es täglich vielleicht drei oder vier Züge." Mit der heutigen Realität habe dies nichts mehr zu tun. Tags und nachts rollen Personen- und Güterwagen über die Gleise, welche die Stadtmitte "in zwei Teile zerschneiden", wie Schmid formulierte. Die Dezibelwert-Richtwerte werden nachts weit überschritten.
Franz Poschenrieder erläuterte, dass wegen der örtlichen Gegebenheiten der Bau der Wände teilweise vom Gleis aus in den Sperrpausen tagsüber und auch nachts erfolge. Die Arbeiter greifen dafür zu "lärmgedämpften Arbeitsgeräten". Trotzdem lassen sich Lärm und Staub nicht vermeiden, auch nachts und an Wochenenden nicht. Denn um die Wände montieren zu können, benötige es eine sogennante Raumrohrgründung, wie ein Mitarbeiter Anwohnern beim Spatenstich erklärte. Die Rohre werden dabei bis zu fünf Metern in den Boden gerammt. Erst nach weiteren technischen Schritten können die Arbeiter dann die lärmabsorbierenden Aluminiumpaneele montieren.
Damit müssen Familie Kopecky, das Ehepaar Prasser und ihre Leidensgenossen noch eine Weile warten, bis sie ungestört schlummern oder sich bei Kaffee und Kuchen unterhalten können. Doch der Anfang ist getan.

(PNP vom 20.10.2017)