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Baufeldfreimachung im Nordpark III – Bisher kam kein schwer belastetes Material zu Tage

Etwa vier Meter tief hinab ins Erdreich reicht das massive Betonfundament, das einem Kellergang ähnelt. Braunes Wasser hat sich zwischen den dunkelgrauen Betonwänden gesammelt. Es modert. "Es erschließt sich nicht mehr, was das mal war", sagt Dr-Ing. Tobias Kubetzek, Abteilungsleiter Planung von IFB Eigenschenk. "Da bin ich jetzt auch überrascht", fügt Stadtbaumeister Roland Pfauntsch hinzu und blickt hinab ins matschige Nass. Bis vor kurzem waren die Wände noch von der Betonplatte des ehemaligen Stellwerks der Bahn bedeckt. Seit Dezember läuft die Baufeldfreimachung auf dem über 32000 Quadratmeter großen Areal Nordpark III an der Werkstraße, auf dem zum Beginn des Sommers die Bauarbeiten für die Berufsfachschule für Musik und die Fachakademie für Sozialpädagogik beginnen sollen.

Das Gelände ist von vorne bis hinten eine Verdachtsfläche", erklärt Pfauntsch. Schließlich sei der Plattlinger Bahnhof während des Zweiten Weltkriegs stark bombardiert worden. Grundlage für die Pläne, nach denen sich das Bauunternehmen bei der Baufeldfreimachung richtet, bilden Unterlagen aus einer englischen Bibliothek – die Alliierten hatten bombardierte Gebiete fotografiert. Auf den Fotografien erkannten die Eigenschenk-Ingenieure Korridore und Trichter, in denen vielleicht Blindgänger seit über 70 Jahren versteckt liegen. Aus Luftbildaufnahmen und Bohrungen errechneten sie die unterschiedlichen Tiefen für die Baufeldfreimachung. Wie tief die Grabungen tatsächlich hinab ins Erdreich gehen, hänge jedoch davon ab, was gefunden werde, erläutert der Stadtbaumeister. Zusätzlich gaben Zeitzeugen bei einer Besichtigung des Areals Auskünfte über ehemalige Bauten.

Überrascht waren Stadtbaumeister Roland Pfauntsch (l.) und Dr-Ing. Tobias Kubetzek über den "Swimmingpool", der unter der Betonplatte des Stellwerks zum Vorschein kam. − Fotos: Ertel

Überrascht waren Stadtbaumeister Roland Pfauntsch (l.) und Dr-Ing. Tobias Kubetzek über den "Swimmingpool", der unter der Betonplatte des Stellwerks zum Vorschein kam. − Fotos: Ertel

Etwa 40 Prozent der Bauleistungen seien erbracht, erklärt Kubetzek. Bis Ende des Monats soll die Fläche, auf der die Landkreis-Schulen entstehen, fertig sein: "Wir sind guter Dinge." Den Abschluss der restlichen Arbeiten schätzt der Ingenieur auf März. Das eisige und schneereiche Wetter der vergangenen Wochen und Unvorhergesehenes hätten den Zeitplan ein wenig nach hinten geworfen. "Bei Dauerfrost und Schnee war es nicht selbstverständlich, dass das Bauunternehmen weitergearbeitet hat", sagt Pfauntsch anerkennend. Bis zu 60 Zentimeter tief sei der Boden gefroren gewesen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro laufe sehr gut – trotz der erschwerten Bedingungen. Erfreut zeigte sich der Stadtbaumeister über die positiven Reaktionen der Anwohner. "Die Leute spielen mit – trotz Lärm und Schmutz."

Mindestens drei Baggerfahrer, ein Kampfmittelbegleiter und je nach Bedarf mehrere Lastwagenfahrer sind permanent auf dem ehemaligen Bahngelände beschäftigt. "Hinzu kommen noch die Planer, die sich den Kopf darüber zerbrechen, wo das Material anschließend hin soll", erklärt Pfauntsch. Es müsse immer schnell reagiert werden, da die Randbedingungen auf der für das viele Material recht kleinen Fläche "nicht ganz einfach" seien.

Zur Baufeldfreimachung wird das Gelände zunächst elektromagnetisch überprüft. Im Anschluss beginnen die Arbeiter an den so genannten Störstellen zu graben. Der Kampfmitteldienst trägt die Erde scheibchenweise ab, bis der natürliche Boden zum Vorschein kommt. Der Kampfmittelräumdienst sei bisher noch nicht gebraucht worden. Es seien lediglich Geschosshülsen und Fragmente von zerstörten Bomben zum Vorschein gekommen. "Gott sei Dank wurde noch nichts Gefährliches gefunden", sagt Pfauntsch erleichtert.

Nichts Gefährliches, aber einige unerwartete Dinge schlummerten unter dem ehemaligen Stellwerk. "Es gibt sicherlich noch Überraschungen", ist sich Kubetzek sicher. "Nach dem Zweiten Weltkrieg musste es schnell gehen – die Bombentrichter wurden mit Erde, Schutt und Bombentrümmern verfüllt", erklärt er. Vor Weihnachten seien zwei Öltanks zu Tage gekommen. Diese würden nun genau untersucht und auf Schadstoffe geprüft.

Nicht nur die Öltanks, auch das ausgebaute Material untersuchen die Arbeiter, um herauszufinden, ob es wieder eingebaut werden kann, oder ob es entsorgt werden muss. Potenziell schädliches Material wird mit Folien abgedeckt – "damit der Regen es nicht auswäscht", erklärt Kubetzek. Bisher sei jedoch kein schwer belastetes Material gefunden worden. Genau festgelegt ist, was wieder eingebaut werden darf, so Pfauntsch. Die Vorgabe laute, so viel Material wie möglich wieder in den Boden zu geben. "Das ist alles sehr komplex." Aber dennoch trotz des engen Zeitrahmens machbar.

Die geschätzten Kosten der Arbeiten liegen bei etwa 1,7 Millionen Euro. Wie hoch sie genau werden, kann Kubetzek noch nicht sagen. Das sei erst möglich, wenn die Rechnung des ausführenden Bauunternehmen vorliege. "Es scheint bisher so, als würden wir im Plan bleiben."

Einig sind sich Pfauntsch und Kubetzek darin, dass Erdbauarbeiten während des Dauerfrostes nicht möglich waren. "Das Verhältnis von Wasser und Material muss ausgeglichen sein", erklärt Pfauntsch. Ist jedoch der Boden mit Wasser übersättigt und befinden sich zusätzlich noch dicke Eisklumpen in der Erde, sei ein "qualifizierter Erdbau" unmöglich.

Über den aktuellen Stand der Baufeldfreimachung berichtete Kubetzek auch am Montagabend im Stadtrat. Bürgermeister Erich Schmid freute sich, dass "der brachen Fläche wieder Nutzen zugeführt" werde. (PNP vom 08.02.2017)