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Freie Wähler Plattling besuchen die Ausgrabungen im Otzinger Baugebiet "Hofäcker"

"Nicht besonders sorgfältig wurde dieser Tote aus der Münchshöfener Kultur in sein Grab gelegt", erklärt Kreisarchäologe Stefan Hanöffner. Das Gefäß neben dem Kopf ließe aber auf eine Bestattung schließen.
Hanöffner erklärt die Fundsituation in Otzing
Im großen Ausgrabungszelt lauschten zahlreiche Besucher den Ausführungen des Kreisarchäologen

Der Kreisarchäologe Stefan Hanöffner beantwortete den Plattlinger Freien Wählern zahlreiche Fragen rund um geschichtliche Themen des Landkreises und gab wissenswerte Hinweise zur archäologischen Denkmalpflege. Die Freien Wähler im Landkreis wollen mit ihrer Informationsveranstaltungen den Wert der Kreisarchäologie unterstreichen, zumal das Thema "Archäologie" eine bedeutende öffentliche Angelegenheit für den Landkreis mit seiner achttausendjährigen Besiedlungsgeschichte ist. Den Teilnehmern sollte bei dieser Veranstaltung die Gelegenheit gegeben werden, tiefere thematische Einblicke direkt vor Ort zu erhalten, wodurch auch das Verständnis für archäologische Denkmalpflege gefördert werden soll. Das Otzinger Baugebiet „Hofäcker“ wird bereits seit acht Jahren archäologisch untersucht.

„Während man vor einigen Jahren noch parzellenweise vorging, werde seit zwei Jahren großflächig untersucht, erklärt Kreisarchäologe Stefan Hanöffner. Mit Hilfe dunkler Verfärbungen im Boden kann sein Team auf ehemalige Gruben und Grubenhäuser, Gräber, Öfen oder Brunnen schließen. All diese "Löcher" sind für Archäologen interessant. Hanöffner bezeichnet sie auch als "Fundgruben", weil sie im Laufe der Jahre nicht nur mit Erde, sondern auch mit Abfällen aufgefüllt wurden. Aus diesem "Müll" können Rückschlüsse auf die Lebensweise und Kultur der damaligen Otzinger Bevölkerung gezogen werden: Denn die Abfälle bestehen aus Überbleibseln von Werkzeugen, Teilen von Kochgeschirr, Keramikscherben, Stücken von Baumaterialien oder auch aus Speiseresten wie Tierknochen. "Nicht besonders sorgfältig wurde dieser Tote aus der Münchshöfener Kultur in sein Grab gelegt", erklärt Kreisarchäologe Stefan Hanöffner. Das Gefäß neben dem Kopf ließe aber auf eine Bestattung schließen. Das Baugebiet Hofäcker ist nicht erst seit ein paar Jahren beliebt: Zahlreiche archäologische Funde lassen auf Besiedlungen während der Münchshöfener Kultur in der Steinzeit (etwa 4500 bis 3800 v.Chr.), während der jüngeren Eisenzeit (etwa 500 bis 50 v.Chr.), auch Latènezeit genannt und dem frühen Mittelalter (etwa 5. bis 11. Jh. n. Chr.) schließen. 2014 wurde beispielsweise ein Brunnen aus dem frühen Mittelalter gefunden. Sicher ist sich der Archäologe, dass Hofäcker bis etwa 50 v. Chr. und zwischen 600 und 900 n.Chr. besiedelt war. Fraglich sei, was in der dazwischenliegenden Zeit passierte. Bisher wurden keine Funde gemacht, die darauf schließen lassen, was die "Ur-Otzinger" während dieser Jahre gemacht haben. "Das Thema ist äußerst kompliziert und bietet viel Stoff für wissenschaftliche Forschung", erläutert Hanöffner. Im nördlichen Baugebiet häufen sich Funde aus der Münchshöfener Kultur. Diese folgt historisch gesehen auf die Steinbandkeramik, der man den Fund des neolithischen Langhauses in Stephansposching (PZ berichtete) zuordnen kann. Schon im vergangenen Jahr fand das Team der Kreisarchäologie Spuren der Münchshöfener Kultur in Hofäcker. So kam unter anderem eine Vorratsgrube, die komplett mit Bauschutt gefüllt war, zu Tage. Eigentlich nichts "Ungewöhnliches", allerdings befanden sich im "Müll" zahlreiche Teile von Hüttenlehm, der Spuren von weißer und roter Farbe aufwies. Bei den archäologischen Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Farbe nicht einmalig aufgetragen, sondern immer wieder nachgestrichen wurde. "Das ist eine Besonderheit, denn ähnliche Funde wurden bislang südlich der Donau noch nicht gemacht", erklärt Hanöffner. Aktuell beschäftigen sich seine Mitarbeiter mit zahlreichen kegelstumpfförmigen Gruben, die in der Steinzeit als "Kühlschränke" oder der Aufbewahrung von Getreide dienten. Wie in allen Gruben, die nicht mehr genutzt wurden, "sammelte sich dort allerhand Zeug", erzählt der Archäologe. "Wir haben hier beispielsweise einen Toten gefunden, der nicht besonders sorgfältig in das Loch gelegt wurde", fügt er hinzu. Allerdings käme das in der Münchshöfener Kultur "schon mal vor" und könne auch als eine Variante des Totenkults interpretiert werden, auch wenn es aus heutiger Sicht komisch ausschaue. Ein Indiz für eine Bestattung, sei das Gefäß gleich neben dem Toten. "In einer anderen Grube haben wir ein junges Schwein gefunden", berichtet Hanöffner. Auch hier sei eine Erklärung für den Fund schwierig. Gewöhnlich sei dies definitiv nicht, weil man normalerweise nur Knochenteile von Tieren finde. Ob das Schwein einfach nur nicht für den Verzehr geeignet war oder etwa durch ein Ritual in der Grube gelandet ist, ist bisher unklar. Klar werde anhand dieser Beispiele allerdings, wie wichtig die zahlreichen archäologischen Untersuchungen in Otzing seien: "Nur eine statistisch große Menge von Funden, kann man gut vergleichen und so auf die damalige Lebensweise schließen", erklärt der Kreisarchäologe. Die bisherigen Funde deuten darauf hin, dass der nördliche Teil des Baugebiets Hofäcker während der Münchshöfener Zeit besiedelt und im südlichen Bereich eisenzeitliches und frühmittelalterliches Siedlungsgebiet war. Trotzdem fand das Team der Kreisarchäologie im nördlichen Teil zwei Gräber aus der Eisenzeit. Diese lägen aber eher zufällig dort, erläutert Hanöffner und fügt hinzu: "Mehr Gräber aus dieser Zeit gibt es hier definitiv nicht." Auch ein Ofen wurde im nördlichen Teil gefunden. Allerdings muss das ausgegrabene Material noch untersucht werden, um eine genaue Datierung zu bekommen“ (PNP vom 11.07.2015)