Seiteninterne Navigation

Freie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband Bayern

Navigation

 

Aktuelles

Seiteninhalt

Vortragsabend der Kreistagskandidaten der Jungen Freien Wähler Deggendorf

Aktueller Reformbedarf in der Kinder- und Jugendhilfe

Vortragsabend der Kreistagskandidaten der Jungen Freien Wähler Deggendorf

 

Mehr in die sozialen Berufe und Einrichtungen investieren, das fordern die Jungen Freien Wähler im Landkreis Deggendorf. Sie wollen die Sicherstellung regelmäßiger Weiterqualifizierung der Mitarbeiter sowie eine personelle Aufstockung der Beratungsstellen im Landkreis, um sowohl den erhöhten Bedarf abzudecken als auch den vielschichtigen Problemkonstellationen gerecht zu werden, sprach eingangs Kreistagskandidat und Kreisvorsitzender der Jungen Freien Wähler Deggendorf Stefan Zitzelsberger am Mittwochabend im Bischofshof in Plattling. Kinder hätten ein Recht darauf, geborgen und gesund aufzuwachsen. Doch leider läuft das Rad nicht in allen Fallen rund. Als politischer Nachwuchs sprechen die Jungen Freien Wähler gezielt die Themen an, die Jugendliche und junge Erwachsene bewegen. Zitzelsberger verwies auf die erschreckenden Zahlen in der Kinder- und Jugendhilfe. Alleine in Bayern hätten im Jahr 2012 knapp 3.000 Kinder in Obhut genommen werden müssen.

Der Ortsvorsitzende der Jungen Freien Wähler Plattling Daniel Jakob begrüßte die Referenten des Abends, Rechtsanwalt Martin Weber und selbstständige Verfahrensbeiständin und Kreistagskandidatin Christina-Maria Leeb. Beide waren sich einig, dass die Institutionen teils noch zu wenig untereinander vernetzt seien. Sie stellten die Aufgaben von Jugendamt, Erziehungsberatungsstelle, Sozialpädagogischer Familienhilfe und Mediation vor und gingen dabei auch auf den jeweiligen Reformbedarf ein.

Das Jugendamt ist laut Gesetz verpflichtet, allen Hinweisen nachzugehen, wenn Kinder in Gefahr sind. Es unterstützt Eltern und Erziehungsberechtigte bei der Erziehung, Beratung und Bildung von Kinder und Jugendlichen. Dabei setzt es auf vorbeugende, familiengerechte, unterstützende Angebote, die dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für Familien zu schaffen. Im äußersten Fall muss das Jugendamt Kinder in Obhut nehmen, d.h. für eine kurze Zeit oder sogar dauerhaft unterbringen, um ihr Wohlergehen sicherzustellen. Leeb kritisierte aber, dass die Fallzahlen pro Mitarbeiter immer mehr und mehr steigen. Die Jugendamtsmitarbeiter, die sehr wichtige Arbeit leisten, seien dadurch überlastet und die Einzelfallbetreuung sei dadurch teilweise nicht mehr optimal gewährleistet. Kritik gab es auch seitens der Referenten am häufigen Personalwechsel, welcher darauf zurückzuführen sei, dass die Mitarbeiter oftmals unterbezahlt seien.

Die Erziehungsberatungsstellen sind dafür da, Eltern in Erziehungsfragen zu unterstützen und ihnen konkrete Hilfestellungen im Alltag zu geben. So könne eine bereits frühzeitige Kontaktaufnahme mit der Beratungsstelle die Eskalation eines Konflikts oftmals verhindern, erklärte Weber. Hier müsse in der Bevölkerung noch vermehrt Aufklärungsarbeit dahingehend erfolgen, dass sich Eltern ohne Scheu in Erziehungsfragen auch von fachlicher Seite helfen lassen. Die Referenten sprachen sich weiterhin für eine bessere personelle und finanzielle Ausstattung dieser Stelle aus, deren Aufgabe sie für besonders wichtig hielten.

Sogenannte Sozialpädagogische Familienhilfen (SPFH), eine weitere Maßnahme im Kinder- und Jugendhilferecht, besuchen die betroffenen Familien zu Hause und bringen den Eltern bei, wie sie ihre Kinder richtig erziehen und ihren Alltag meistern. So kann im Einzelfall vermieden werden, dass ein Kind in einem Heim untergebracht werden muss. Den Familien solle die Verantwortung für die Bewältigung ihrer vielfältigen und gehäuften Probleme nicht abgenommen werden, sondern sie sollen durch SPFH nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu eigenen Lösungen angeregt werden, um die vereinbarten Ziele zu erreichen. Absurd ist vor allem der Anstieg der Beanspruchung der Familienhilfen. Von 1991 bis 2012 hat sich die Zahl der Familien, in denen eine SPFH installiert wurde, mehr als versiebenfacht. Leeb und Weber forderten einerseits eine geregelte Stundensatzuntergrenze für die Familienhelfer und andererseits mehr Eigenverantwortung bei der Festlegung ihres Stundenkontingents pro Familie. Insbesondere in der Abschlussphase der Beratung sei oftmals ein „sanfteres Auslaufen“ von Nöten, um einer erneuten Eskalation der Situation vorzubeugen.

Mediation bezeichnet die außergerichtliche Konfliktlösung mithilfe eines unabhängigen Mediators. Gerade in familienbezogenen Streitigkeiten ist es wichtig, einen Konflikt nicht bis zum bitteren Ende durchzufechten, sondern im Bestfall eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. Auch nach der Scheidung soll das Kind noch Mama und Papa haben dürfen, so die Referenten. Bei Mediation geht es um Einsicht, nicht um Rechthaberei. Es gibt – im Gegensatz zum gerichtlichen Verfahren – keine Verlierer. Beide Parteien können im konstruktiven Gespräch nur gewinnen. Die Vortragenden setzten sich mit Nachdruck für die Schaffung einer kommunalen Mediationsstelle für Familiensachen im Landkreis Deggendorf ein.

Zum Abschluss des Vortrags sprachen die beiden Referenten das A und O des Reformbedarfes an: „Nur durch ein umfassendes Hilfsnetzwerk können wir einschneidende Maßnahmen verhindern.“ Es gelte, frühzeitig zu handeln und nicht erst dann, wenn es bereits zu spät sei. Landratskandidat Reinhard Leuschner bedankte sich abschließend für die gute politische Arbeit der Jungen Freien Wähler und unterstrich die Notwendigkeit der Beschäftigung mit der Thematik des Vortragsabends.